Eine duftende Tasse Kaffee am Morgen möchten viele Menschen nicht missen. Was unsichtbar bleibt: In 125 Milliliter Kaffee steckt bereits fast eine ganze Badewanne Wasser – etwa 132 Liter sogenanntes virtuelles Wasser. Was hat es damit auf sich, wann wird das zum Problem für Trinkwasserressourcen und wie kann der Wasserfußabdruck verkleinert werden?
Zum Trinken, Putzen, Waschen und Kochen verbraucht jede Person in Deutschland durchschnittlich 120 bis 130 Liter Leitungswasser täglich. Wird jedoch all das Wasser hinzugerechnet, dass bereits in Lebensmitteln und anderen Konsumgütern steckt, sind es 7.200 Liter Wasser pro Tag und Person. Für nicht direkt, sondern indirekt verbrauchtes Wasser, etwa bei Anbau oder Produktion, prägte John Anthony Allan vom King’s College in London den Begriff „virtuelles Wasser“.
Wieviel Wasser steckt in Fleisch, Schokolade oder Kleidung?
Der durchschnittliche Wasserfußabdruck unterscheidet sich stark zwischen den einzelnen Produkten. In einem Kilogramm Kohl stecken knapp 240 Liter Wasser, bei Gurken sind es 350 Liter. Fleisch schlägt mit einem deutlich größeren Wasserfußabdruck zu Buche: Rindfleisch beinhaltet über 15.400 Liter Wasser pro Kilogramm, bei Hühnchen ist es weniger, aber immer noch 4.300 Liter. Pflanzlicher Fleischersatz dagegen benötigt vier bis 15-mal weniger Wasser.
Auch in Bekleidung stecken viele Badewannen voll Wasser: In einem Kilogramm Baumwolle durchschnittlich 10.000 Liter. Umgerechnet auf ein T-Shirt sind es etwa 2.500 Liter, für eine Jeans 8.000 Liter Wasser. Die klimatischen Bedingungen in den Anbauregionen – trocken und heiß oder kühl und feucht – sowie die Effizienz von Bewässerungssystemen bedingen die Größe des Wasserfußabdrucks erheblich.
Auch um Elektrogeräte herzustellen, wird viel Wasser benötigt: In einem Computer stecken etwa 20.000 Liter Wasser.
Wasserknappheit – ein globales Thema
Nur 14 % des Wassers, das in Deutschland direkt und indirekt verbraucht wird, stammt aus heimischen Quellen. Deutschland importiert also viel virtuelles Wasser.
Beim Wasserverbrauch wird außerdem zwischen grünem, blauem und grauem Wasser unterschieden: Regenwasser als natürliche Bewässerung, Oberflächengewässer bzw. Grundwasser zur künstlichen Bewässerung sowie das im Laufe der Produktion verschmutzte Wasser. Der deutsche Wasserverbrauch im Inland ist zu 75 % grün, 4 % blau und 21 % grau; im Ausland zu 83 % grün, 11 % blau und 6 % grau.
Wasserverbrauch ist also nicht gleich Wasserverbrauch. Ein Beispiel: Kakao, der in Westafrika wächst, ist mit knapp 20.000 Liter Wasser pro Kilogramm zwar sehr wasserintensiv, aber in dieser Region regnet es ausreichend. Erdbeeren aus Südspanien dagegen benötigen mit 209 Liter Wasser pro Kilogramm weitaus weniger, aber werden fast ausschließlich künstlich bewässert und zwar mit wertvollem, knappen Süßwasser. Auch Baumwolle benötigt viel blaues (33 %) und graues (13 %) Wasser. Das kann negative ökologische und soziale Auswirkungen haben.
Wasserfußabdruck verkleinern: Weniger ist mehr
Durch den hohen Wasserimport konsumiert Deutschland auf Kosten der Wasserressourcen anderer Länder. Insbesondere der Import aus regenarmen Regionen ist problematisch, da dadurch dort der direkte Wasserverbrauch erhöht wird. Das kann unter anderem zu sinkenden Grundwasserspiegeln, Konflikten um Trinkwasserressourcen oder Umweltzerstörungen führen.
Um den Wasserfußabdruck möglichst niedrig zu halten, sind deshalb bewusstes Einkaufen sowie politische Rahmenbedingungen gefragt. Bei Lebensmitteln gilt: wenig Fleisch, saisonale und regionale Produkte bzw. fair und biologisch erzeugt. Außerdem: keine Lebensmittel verschwenden. Für Kleidung und Elektrogeräte heißt es: wenige Teile so lange wie möglich nutzen, reparieren und gebraucht statt neu kaufen. Auch hier gibt es biologisch und fair erzeugte Produkte.
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