Zur Advents- und Weihnachtszeit gehört ein echter Weihnachtsbaum für viele Menschen einfach dazu. Angepflanzt werden sie massenweise – das belastet das Klima und die Umwelt und ist auch für unser Trinkwasser problematisch. Aber es gibt ökologisch nachhaltigere Alternativen.
Knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in Deutschland verkauft. Längst sind sie kein Nebenprodukt der Forstwirtschaft mehr. 2024 wurden laut Statistischem Bundesamt 19.100 Hektar außerhalb von Waldflächen für den Weihnachtsbaumanbau genutzt – bewirtschaftet von 3310 landwirtschaftlichen Betrieben. Zusätzlich wurden 1,8 Millionen Bäume importiert – vor allem aus Dänemark.
Wie Weihnachtsbaumplantagen unser Trinkwasser belasten
Die allermeisten Weihnachtsbäume in Deutschland stammen aus plantagenartigen Intensivkulturen vor allem im Sauerland oder in Schleswig-Holstein. Dort wachsen sie in Monokulturen – das braucht Platz, Wasser und Chemie. Das hat auch negative Folgen für unser Trinkwasser. Denn für ein möglichst makellos schönes Grün sowie gleichmäßiges Wachstum werden auf den konventionellen Plantagen Insektizide gegen Läuse und Käfer, Herbizide gegen Unkraut sowie Mineraldünger eingesetzt.
Der BUND fand bei Stichproben heraus, dass über zwei Drittel der Weihnachtsbäume im Verkauf mit Pestiziden belastet war – sogar mit solchen, die in der EU generell oder für den Anbau von Weihnachtsbäumen nicht zugelassen sind. Diese Chemikalien schaden den Böden und Ökosystemen und gelangen auch in unsere Gewässerkörper. Bevor das Wasser dann später als Trinkwasser aus dem Hahn kommen kann, muss es aufwendig und teuer gereinigt werden.
Zu den Umweltwirkungen beim Anbau kommt die Klimabelastung durch Transport und Entsorgung der Bäume hinzu. Durch steigende Temperaturen verdunstet mehr Wasser, dass uns an trockenen Tagen in der Landschaft fehlt.
Wer dennoch nicht auf einen Weihnachtsbaum verzichten möchte, kann auf nachhaltigere Alternativen setzen.
Regional angebaute Bäume verringern die Transportemissionen. Wer beim Händler direkt um die Ecke kauft, kann das Grün mit dem Fahrradanhänger oder zu Fuß abholen. Und bei der Entsorgung sollten die speziellen kommunalen Angebote genutzt werden.
Bäume aus heimischem Forst – mit Siegel statt Pestiziden
Statt einen Baum aus einer Plantage zu kaufen, empfehlen Umweltschutzorganisationen heimische Fichten, Kiefern oder Tannen, die auf sogenannten Sonderflächen unter Strom- oder auf Leitungstrassen wachsen. Die Flächen gehören zu regionalen Forstbetrieben, bei denen man sich auch erkundigen kann.
Noch besser sind Weihnachtsbäume aus ökologischem Anbau – etwa mit Bioland-, Naturland-, EU-Bio- oder FSC-Siegel. Sie schonen die Böden und die Gewässer, da auf synthetische Pestizide verzichtet und nur bestimmte Dünger eingesetzt werden. Momentan stammen aber nur etwa ein Prozent der Weihnachtsbäume aus biologischem Anbau, so die Umweltschutzorganisation Robin Wood, die auch eine Übersicht ökologischer Verkaufsstellen bietet.
Topf- oder Mietbaum – theoretisch gut, praktisch schwierig
Mittlerweile gibt es immer mehr Angebote einen Weihnachtsbaum im Topf zu kaufen oder zu mieten. Das kann eine nachhaltigere Option sein. Allerdings können auch diese Bäume stark mit Pestiziden belastet sein. Ein Auspflanzen nach Weihnachten funktioniert dann oft nicht, weil die Wurzeln im Topf zu stark gekürzt und gedrückt sind und der Baum sich zu sehr an die Wärme im Haus gewöhnt hat. Deshalb ist es auch hier wichtig, sich genau über Herkunft und Wuchsbedingungen zu informieren.
Kein Baum und trotzdem geschmückt
Doch der trinkwasserfreundlichste Weihnachtsbaum ist der, den man gar nicht erst aufstellt. Es lohnt sich also, über Baum-Alternativen nachzudenken: So kann man sich einen „Baum“ aus Naturmaterialien wie Schnittholzresten oder heruntergefallenen Ästen selbst basteln. Auch eine einfache Holzleiter lässt sich festlich mit Reisig schmücken. Ein Blick ins Internet und es finden sich viele lohnende Beispiele.
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