In Zeiten zunehmender Trockenheit und Dürreperioden werden weltweit Lösungen gesucht, um der damit einhergehenden Wasserknappheit zu begegnen. Zahlreiche Maßnahmen und Ansätze wie die Verbesserung der Bodenqualität und die Förderung des Wasserrückhalts, das Anlegen von Wäldern und die Nutzung von Agroforstwirtschaft, aber auch technische Lösungen wie Meerwasserentsalzung sind bereits im Einsatz. Doch können nicht auch innovative Methoden wie Nebelfänger und Wolkenimpfen zur Trinkwassergewinnung beitragen?
Eisberge verschiffen
Rund 70 Prozent des Süßwassers der Welt liegen ungenutzt herum: als Eis in der Arktis und Antarktis. Jedes Jahr löst sich dort mehr Süßwasser in Form von Eisbergen ab, als der weltweite Verbrauch an Süßwasser beträgt – und verschwindet im Salzwasser der Meere.
Die Idee, aus polaren Eismassen frisches Trinkwasser für trockene Regionen zu gewinnen, existiert schon seit vielen Jahrzehnten. Bereits im Jahr 1863 wollte ein US-Unternehmer Eisberge per Dampfschiff nach Indien transportieren, um das Eis dort gewinnbringend zu verkaufen – was jedoch fehlschlug.
Diese Idee griffen internationale Forscher in den 1970er-Jahren auf. Ihre Pläne, Eisberge verpackt in Folie von Schiffen in Schlepptau zu nehmen und in von Dürre geplagte Gegenden zu ziehen, wurden allerdings nie realisiert. Selbst als vor wenigen Jahren das Wasser in der südafrikanischen Metropole Kapstadt zu versiegen drohte und dieses Szenario erneut ins Spiel gebracht wurde, erkannte man, dass der Aufwand für einen Transport über weite Strecken technisch und finanziell einfach utopisch hoch ist. Zudem warnen Forscher, dass das Entwenden von Eisbergen im Südpolarmeer unabsehbare Folgen für das Ökosystem hätte.
Wolken impfen
Beim sogenannten „Cloud-Seeding“ geht es darum, künstlichen Niederschlag zu erzeugen. Flugzeuge oder Drohnen bringen dazu Salze wie Silber- oder Kaliumjod in Wolken ein. So wird das Kondensieren des Wasserdampfs beschleunigt, der anschließend als Regen zu Boden fällt. Dies funktioniert natürlich nur bei Regenwolken, denn in trockener Luft lässt sich kein Niederschlag erzeugen.
Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen Cloud-Seeding regelmäßig, um Regen in die Wüste zu holen. Und in den USA wird das Wolkenimpfen zur Erzeugung von Schnee eingesetzt. Auch bei uns kommt diese Technik vereinzelt zur Hagelbekämpfung zum Einsatz: In Bayern zum Beispiel wird die Methode seit 1974 genutzt, um landwirtschaftliche Schäden zu minimieren, in Rheinland-Pfalz zum Schutz von Obst- und Weinbau.
Dabei ist das Wolkenimpfen wissenschaftlich nicht unumstritten, sowohl hinsichtlich seiner Wirksamkeit als auch möglicher Umwelt- und Gesundheitsbelastungen. Zum einen können die eingesetzten Chemikalien wie Silberjodid in Luft, Wasser und Boden gelangen und gesundheitliche Probleme wie Atembeschwerden und Lungenreizungen verursachen, zum anderen kann das im Boden und Wasser abgelagerte giftige Silberjodid Pflanzen und Tiere schädigen. Darüber hinaus kann Cloud-Seeding dazu führen, dass Regen lediglich verlagert wird, anstatt die Wassermenge insgesamt zu erhöhen.
Nebel fangen
Eine relativ einfache, günstige und umweltfreundliche Technik zur Trinkwassergewinnung ist das Melken von Nebel durch Nebelfänger. Dabei fangen engmaschige Netze aus Draht- oder Kunststofffäden die Feuchtigkeit aus der Luft ein: Der Nebel kondensiert an den Maschen, tropft als Wasser ab und fließt in eine Rinne. In Tanks gesammelt oder über Rohre abgeleitet, kann das Wasser so in umliegende Dörfer fließen und die Menschen dort versorgen.
„Cloudfishing“ eignet sich in der Regel für nebelreiche Küsten- und Bergregionen, in denen es selten regnet und andere Wasserreserven nur schwer zu erschließen sind. So gibt es zum Beispiel Nebelfänger-Anlagen auf den Kanarischen Inseln, in Marokko und in der Atacama-Wüste. Seit kurzem setzt auch eine Gemeinde im Schwarzwald auf das Cloudfishing: In Fröhnd bei Lörrach stehen seit diesem Frühjahr fünf Anlagen.
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