Vom Badezimmer ins Grundwasser

Wenn der Rücken zwickt, das Knie geprellt ist oder der Knöchel gestaucht, greifen viele schnell zu Schmerzgels wie Voltaren oder Diclac. Sie enthalten den Wirkstoff Diclofenac, der Schmerzlinderung verspricht. Doch was vielen nicht bewusst ist: Dieser Stoff hilft wenig, schadet aber erheblich, und zwar die Umwelt, ganze Ökosysteme und auch den Wasserkreislauf. Zum Glück gibt es umweltfreundlichere Alternativen, die medizinisch mindestens ebenso gut sind.

Diclofenac ist ein Arzneimittelwirkstoff, der bei stumpfen Verletzungen und Schmerzen angewendet wird. Er kann etwa als Gel und Salbe aufgetragen oder als Tabletten eingenommen werden. Allein in Deutschland werden etwa 80 Tonnen dieses Wirkstoffes jährlich verbraucht. Doch während äußerlich aufgetragenes Diclofenac bei chronischer Arthritis helfen kann, wirkt es bei allen anderen Beschwerden wie Prellungen oder Zerrungen nicht besser als ein Placebo. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsstudie aus dem Jahr 2016. Dennoch wird der Wirkstoff breit genutzt – mit weitreichenden Folgen. Weil nur etwa sechs Prozent des Wirkstoffes überhaupt über die Haut aufgenommen wird, landet ein Großteil an den Händen, wird beim Händewaschen oder Duschen abgespült oder klebt an der Kleidung und wird in der Waschmaschine ausgespült. So gelangt Diclofenac ins Abwasser.

Diclofenac als Gefahr für die Umwelt

Kläranlagen können den Stoff jedoch nur unvollständig entfernen. Diclofenac ist langlebig und schwer abbaubar. In der Folge finden sich mittlerweile Rückstände nicht nur in Flüssen und Seen, sondern auch bereits im Grundwasser, das vielerorts auch das Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung ist.

Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass bereits geringe Mengen Diclofenac das sensible ökologische Gleichgewicht stören, Wasserorganismen und Tiere schädigen und so die Biodiversität in und an Gewässern, den Boden und die Wasserqualität gefährden. Bei Fischen zeigten sich etwa Schäden an Kiemen, Leber und Nieren durch Diclofenac.

Trinkwasserfreundliche Alternativen

Aufgrund der umweltschädlichen Wirkung von Diclofenac rät unter anderem das Umweltbundesamt davon ab, Schmerzsalben mit diesem Wirkstoff zu benutzen. Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen, die sowohl wirksamer als auch umweltverträglicher sind. Pflanzliche Präparate mit Beinwellwurzel lindern Schmerzen meist besser als Diclofenac. Sie sind besser biologisch abbaubar und stellen eine geringere Belastung für Ökosysteme und Gewässer dar.

Muss es dennoch Diclofenac sein, helfen auch kleine Verhaltensänderungen, um das Wasser zu schützen: Hände nach dem Eincremen mit einem Papiertuch abwischen und erst dann waschen. Das Papiertuch im Restmüll entsorgen; ebenso wie abgelaufene oder leere Tuben.

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