Wasser ist die Grundlage allen Lebens. In Deutschland fließt es wie selbstverständlich sauber und kontrolliert aus dem Hahn. Doch Wasser wird weltweit knapper und damit zum begehrten Gut, auch an der Börse. Was bedeutet es, wenn Wasser zur Ware wird? Und ist es sinnvoll, in Wasseraktien zu investieren?
Wasser ist nicht überall auf der Welt gleich verfügbar und die Konkurrenz um Wasserressourcen wächst. Gründe dafür sind der Klimawandel und zunehmende Trockenheit, Bevölkerungswachstum und steigender Wasserverbrauch, industrielle Nutzung und Landwirtschaft. Wasser ist nicht nur Lebensgrundlage, sondern wird zur knappen Ressource mit wirtschaftlicher Relevanz.
International ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung seit 2010 ein anerkanntes Menschenrecht – also ein Anspruch, den alle Menschen unabhängig von ihrem Einkommen haben sollen. Doch Beispiele zeigen: Wenn Wasser wirtschaftlichen Interessen unterliegt, kommt es zu Ungleichheit.
Wasser als Handelsgut
Weltweit sichern sich internationale Lebensmittelkonzerne den Zugang zu wichtigen Südwasserreservoirs, um es in Flaschen zu füllen und dann teuer zu verkaufen. Nestlé als größter Nahrungsmittelkonzern der Welt hat in verschiedenen Regionen Rechte am Grundwasser erworben und verkauft es. Und zwar in solcher Menge, dass unter anderem deswegen der Grundwasserspiegel sinkt und die Regionen langsam austrocknen. In der Folge müssen Brunnen erweitert werden und Haushalte vor Ort zahlen für ihr Trinkwasser höhere Preise. Der Konzern bestreitet diese Vorwürfe.
Neben der öffentlichen Debatte über Wasser als Allgemeingut gibt es eine zweite Debatte: Wasser als Geldanlage. An der Börse kann man als sogenanntes „Wasserinvestment“ in Unternehmen investieren, die in Zusammenhang mit Wasser stehen. Zum Beispiel in Wasserversorger, Technologieunternehmen für Wasseraufbereitung, Getränkehersteller oder ETFS, die mehrere solcher Unternehmen bündeln. Die meisten Wasserunternehmen sind in den vergangenen Jahren an der Börse mäßig bis stark gestiegen. In Anbetracht von Klimawandel und Wasserknappheit scheint es aus ökonomischer Sicht sinnvoll, in Wasser zu investieren.
Ist es moralisch vertretbar, Gewinne mit Wasser zu erzielen?
Expert*innen halten es grundsätzlich für sinnvoll, dass Wasser einen Preis hat. Auch bei anderen knappen Ressourcen handeln Menschen häufig nach dem Motto: Wenn etwas nichts kostet, wird es verschwendet. Ein Preisschild könne dazu beitragen, Wasser als wertvolle Ressource wahrzunehmen und sparsamer zu nutzen, und beispielsweise nicht in der Mittagshitze den Garten zu bewässern.
Kritiker*innen sagen, dass wir Wasser nicht als Ware betrachten sollten, die jemand kaufen oder besitzen kann. Ansonsten könnte die Ressource ihre Bedeutung als Menschenrecht verlieren und zum bloßen Handelsobjekt werden. Außerdem wäre es fatal, wenn ein Monopol auf Wasser entstünde und nur noch einzelne Unternehmen über unser komplettes Trinkwasser verfügen würden. Die Preise würden ins Unermessliche steigen.
Gleichzeitig wird an der Börse nicht nur spekuliert, sondern es können auch Innovationen finanziert werden. Expert*innen hoffen, dass Investitionen gezielt in Unternehmen fließen, die Lösungen für Wasserknappheit entwickeln.
Wenn man in Wasser investieren, aber damit nichts Schlechtes bewirken möchte, sollte man sich vorher folgende Fragenstellen: Unterstütze ich ein Unternehmen, das versucht, zukunftsfähige Lösungen zu finden und den Wassermangel zu lindern? Oder unterstütze ich ein Unternehmen, das mit günstig erworbenen Wasserrechten Geld verdient und von zunehmender Wasserknappheit profitiert?
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