Wie sichern wir unsere Wasserversorgung in Zeiten der Klimakrise?

Die Klimakrise verändert die Rahmenbedingungen der Wasserversorgung in ganz Europa. Längere Dürreperioden, häufigere Starkregenereignisse, häufigere Hitzewellen und sinkende Grundwasserstände erhöhen den Druck auf vorhandene Wasserressourcen. Gleichzeitig verhindern versiegelte Flächen in urbanen Räumen, dass Regenwasser ausreichend versickern und Grundwasserreserven auffüllen kann. Wie können wir unsere Wasserversorgung neu ausrichten und widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen machen?

Entwässerte Flächen, verdichtete Böden und naturferne Wälder sorgen dafür, dass Niederschläge häufig oberflächlich abfließen, statt zu versickern und Grundwasserreserven aufzufüllen. Ein wesentlicher Ansatz zur Sicherung der Wasserversorgung liegt deshalb darin, mehr Wasser in der Landschaft zu halten. Eine Studie von NABU und der Boston Consulting Group (BCG) zeigt, dass naturbasierte Maßnahmen wie regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder oder moderne Wasserrückhaltsysteme jährlich zusätzlich bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in Deutschland speichern könnten.

Wie funktioniert eine klimaangepasste Infrastruktur?

Wasserverluste reduzieren: Ein großes Potenzial liegt in der Verringerung von Wasserverlusten in den Leitungsnetzen. In einigen europäischen Städten gehen noch immer enorme Mengen Trinkwasser durch undichte Leitungen verloren. In Athen zum Beispiel werden die Netzverluste auf bis zu 40 Prozent geschätzt. Investitionen in moderne Leitungsnetze, digitale Überwachungssysteme und Leckage-Ortung können daher eine der wirksamsten Maßnahmen sein, um Wasserressourcen zu schonen.

Versorgung auf mehrere Quellen stützen: Die Erfahrungen aus europäischen Städten zeigen, wie wichtig eine diversifizierte Wasserversorgung ist. Oslo baut derzeit ein zweites Versorgungssystem auf, um die Abhängigkeit von einem einzigen See zu reduzieren. Mehrere Wasserquellen erhöhen die Resilienz gegenüber Dürren, technischen Ausfällen oder regionalen Wetterextremen.

Wassersparen als Teil der Versorgungssicherheit: Fachleute betonen, dass die Reduzierung des Wasserverbrauchs häufig kostengünstiger und nachhaltiger ist als die Erschließung neuer Wasserquellen. Informationskampagnen, wassersparende Technologien und effiziente Nutzungskonzepte können den Wasserbedarf senken.

Wasser mehrfach nutzen: Wasser könnte künftig noch stärker im Kreislauf genutzt werden. Städte wie Singapur oder die Region Tel Aviv beispielweise bereiten gereinigtes Abwasser direkt wieder auf – ohne den Weg durch den Wasserkreislauf zu nutzen. Dieses Wasser kann beispielsweise in der Landwirtschaft oder zur Grundwasseranreicherung eingesetzt werden.

Naturbasierter Wasserrückhalt in der Landschaft: Ein besonders interessantes Beispiel für klimaangepasstes Wassermanagement findet sich in Andalusien im Süden Spaniens. Gemeinden in der Sierra Nevada nutzen seit rund 1.000 Jahren sogenannte Acequias – traditionelle Bewässerungskanäle, die ursprünglich von arabisch-berberischen Siedlern angelegt wurden. Sie leiten einen Teil des Schmelzwassers aus den Bergen kontrolliert durch die Landschaft. Dabei wird das Wasser nicht möglichst schnell abgeleitet, sondern gezielt in unterirdische Speicher verteilt. Es reichert das Grundwasser an und sorgt dafür, dass Brunnen und Trinkwasserquellen auch in trockenen Zeiten Wasser haben. Messungen in der Sierra Nevada zeigen, dass die traditionellen Bewässerungssysteme selbst während extremer Dürrejahre zwischen 2021 und 2023 dazu beigetragen haben, die Trinkwasserversorgung der Dörfer aufrechtzuerhalten. Der Hydrologe Thomas Zakaluk vom Spanischen Institut für Geologie und Bergbau bezeichnet das System als „eine naturbasierte Lösung für die Anpassung an Erwärmung und Klimakrise“.

Technische Lösung für extreme Dürresituationen: Spanien gehört zu den europäischen Vorreitern bei der Anpassung der Wasserversorgung an die Klimakrise. Nach schweren Dürreperioden investierte die Region Katalonien unter anderem in Meerwasserentsalzungsanlagen. Die Anlage an der Mündung des Llobregat bei Barcelona kann täglich bis zu 200 Millionen Liter Trinkwasser bereitstellen und deckte zeitweise rund ein Drittel des Wasserbedarfs in der Metropolregion. Diese Methode ist allerdings energieintensiv und kostet deutlich mehr als andere Maßnahmen.

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