Das Berufsfeld Wasser wirkt neutral, ist es aber nicht. Vielfältige Ausbildungen und Studiengänge rund ums Wasser bieten spannende Berufschancen und krisensicherer Jobs. Doch obwohl dringend Fachkräfte gesucht werden, ist der Frauenanteil oft gering. Welche Wasserberufe gibt es und wie fördern Unternehmen den Frauenanteil?
Sauberes Trinkwasser aus dem Hahn scheint selbstverständlich. Tatsächlich steckt dahinter eine technisch anspruchsvolle Infrastruktur, die rund um die Uhr betrieben, gewartet du weiterentwickelt werden muss. Dafür braucht es qualifizierte Fachkräfte – vom Anlagemechaniker für Rohrsystematik über Umwelttechnologinnen für Wasserversorgung bis hin zu Ingenieurinnen, Laboranten und Verwaltungsfachleuten. Sie sichern die Wasser- und Abwasserversorgung als Teil der kritischen Infrastruktur, schützen die Umwelt und damit unsere Lebensqualität. Das Berufsfeld Wasser ist für unsere Gesellschaft zentral, da wir in jeder Hinsicht auf sauberes Trinkwasser und eine sichere Abwasserentsorgung angewiesen sind.
Das breite Berufsspektrum der Wasserberufe
Ausbildungsberufe sind etwa Vermessungstechnikerin, Umwelttechnologe für Abwasserbewirtschaftung oder Wasserversorgung sowie Anlagemechanikerin für Rohrsystematik. Ebenso eröffnen Studiengänge spannende Berufschancen in der Wasserwirtschaft: etwa Elektrotechnik, Energie-, Gebäude- und Umwelttechnik, Hydrologie oder Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Wasser. Die Arbeitsorte reichen von Trinkwasseraufbereitungs- und Kläranlagen über Ingenieurbüros bis zu Einsätzen im Gelände, etwa an Flüssen oder Hochwasserschutzanlagen. Auch Tätigkeiten in Laboren, bei Wasserverbänden, in kommunalen Betrieben oder im Bereich Umweltschutz gehören dazu. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist groß, da die Wasserwirtschaft vor großen Veränderungen steht. Denn die Herausforderungen durch Starkreden oder Dürre durch den menschengemachten Klimawandel steigen und erfordern Lösungen und Anpassungen der Infrastruktur.
Frauen in der Wasserwirtschaft immer noch unterrepräsentiert
Zahlen zeigen, dass die Branche für Frauen schwer zugänglich ist. Der Wassersektor ist männlich dominiert. In technischen Berufen, die häufig Grundlage für Tätigkeiten in der in der Wasserwirtschaft sind, liegt der Frauenanteil bei etwa 14 Prozent. In vielen Bereichen der Wasser- und Versorgungstechnik beträgt der Frauenanteil oft weniger als 30 Prozent. Bei den Berliner Wasserbetrieben liegt der Frauenanteil bei 31,3 Prozent. In den Führungspositionen ist er seit den 1990er-Jahren von 16 auf rund 35 Prozent gestiegen, dennoch bleibt die Branche für viele Frauen schwer zugänglich. Gründe dafür sind Geschlechterstereotype („Technik ist Männersache“), männlich dominierte Arbeitskulturen, fehlende flexible Arbeitsmodelle sowie ein Mangel an sichtbaren Vorbildern. Studien zeigen außerdem, dass Frauen in männerdominierten Bereichen häufiger an ihrer eigenen Kompetenz zweifeln, was sich auf ihre Karriere auswirken kann.
Frühe Berufsorientierung für mehr Frauen in Wasserberufen
Am vierten Donnerstag im April findet jährlich der Girls‘ Day statt. Ziel des Aktionstages ist es, Mädchen Einblicke in Berufe zu ermöglichen, die für sie bislang eher untypisch sind – insbesondere technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Bereiche. Zahlreiche Wasserunternehmen und -organisationen beteiligen sich mit eigenen Angeboten. So können Mädchen beispielsweise bei den Berliner Wasserbetrieben einen Blick hinter die Kulissen werfen, die Ausbildungswerkstatt besuchen, die IT kennenlernen, Fuhrparkmanagement erleben oder eine Hydrantenprüfung begleiten. Formate rund um die Themen „Schwammstadt” und Wasserkreislauf zeigen, wie vielseitig die Arbeit mit Wasser ist. Auch der BDEW beteiligt sich gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedsunternehmen bundesweit an Aktionen.
Einen Überblick über Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Wasserberufe bieten Branchenportale wie www.berufswelten-enerige-wasser.de. Dort findet man Informationen zu Qualifikationswegen, Tätigkeitsfeldern und Einstiegsmöglichkeiten.
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