Ohne Gletscher fehlt uns das Wasser

Die Gletscher schmelzen ab. Nicht nur an den Eisschilden der Polarregionen, sondern in den Gebirgen weltweit, ob im Himalaya oder Kilimandscharo. Auch bei uns vor der Haustür, in den Alpen, schwinden die Gletscher aufgrund des Klimawandels – mit möglichen weitreichenden Folgen für die Wasserversorgung in ganz Europa. Denn drei Viertel der Süßwasserreserven bestehen aus Schnee und Eis.

Blaueisgletscher, Watzmanngletscher, Höllentalferner und Nördlicher Schneeferner, das sind die Gletscher in den deutschen Alpen. Bis vor wenigen Monaten gab es noch einen fünften: den Südlichen Schneeferner. Doch aufgrund der hohen Temperaturen und der langen Schmelzperiode hat er den letzten Sommer nicht überstanden. Wegen der geringen Eisdicke ist dort keine Eisbewegung mehr zu erwarten und damit gilt er nicht mehr als eigenständiger Gletscher. So wie ihm könnte es immer mehr der rund 5.000 Gletscher in den europäischen Alpen ergehen. Glaziologen (Gletscherkundler) sprechen sogar von einer Halbierung der Zahl in den nächsten Jahren.

Schmelzwasser speist die Flüsse

Das ist laut Hydrologen und Glaziologen umso gravierender, da die Gletscher in den Alpen eine wichtige Rolle bei der Wassergewinnung und -versorgung in Europa spielen. Große europäische Flüsse wie Po, Rhône und Rhein entspringen und speisen sich in den Alpen, dienen als Lebensadern für Menschen und Wirtschaft.

Die großen Wassermassen, die durch den ganzjährigen Schneefall in den Gletschern gespeichert werden, sorgen bisher dafür, dass in Monaten mit wenig Regen und hohen Temperaturen – und dadurch hohen Verdunstungsraten – genügend Wasser in den Flüssen und Seen zur Verfügung steht. Nachdem die Schneedecke meist zwischen Mai und Juni komplett abgeschmolzen ist, kommt das Schmelzwasser allein von den Gletschern. So tragen Gletscher vor allem während der Sommermonate durch ihr Schmelzwasser wesentlich zum Wasserstand der Flüsse bei. Ohne dieses Schmelzwasser sind viele Flüsse im Sommer allein vom Niederschlag abhängig und ihr Pegelstand somit starken Schwankungen unterworfen. Im heißen Sommer 2022 sah man diesen Zusammenhang an einem Fluss besonders deutlich: Der Rhein trocknete aus.

Wie entstehen Gletscher und warum schmelzen sie?

Gletscher entstehen, wenn sich Schnee im Gebirge über Jahre hinweg ansammelt, unter dem eigenen Druck verdichtet und dadurch in Eis umgewandelt wird.

Im höher gelegenen Teil des Gletschers erhält der Gletscher seinen Input in der Regel in Form von Schnee, aber auch durch Lawinen, Windverfrachtung, Schneerutsche, Gefrieren von Schmelzwasser usw. (Akkumulation). Im tiefer gelegenen Teil des Gletschers verliert der Gletscher Masse durch die Schneeschmelze und das teilweise Auftauen von Eis (Ablation).

Wenn am Ende eines jeden Sommers Akkumulation und Ablation gleich groß sind, ist der Gletscher im Gleichgewicht; er schmilzt nicht ab und stößt auch nicht vor. Bei den meisten Gletschern der Welt sieht die Realität aber anders aus: Ihre Ablation ist größer als die Akkumulation, ihre Massenbilanz somit negativ und der Gletscher schmilzt infolgedessen ab.

Quelle: Friedrich Verlag

Auswirkungen auf Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung

Ab 2050 prognostizieren Geowissenschaftler von der Schweizer Universität Fribourg eine rapide Verringerung der Schmelzwassermenge. Derzeit käme zwar von den Gletschern aufgrund des Klimawandels mehr Wasser als üblich in die Flüsse – so setzt sich zum Beispiel die Wassermenge der Rhône im Schnitt zu einem Viertel aus Schmelzwasser zusammen, im besonders heißen und trockenen Sommer 2003 stieg dieser Anteil sogar auf 40 Prozent. Doch sei dieses Bild trügerisch, betonen die Wissenschaftler und erwarten, dass die Alpengletscher in 90 Jahren nur mehr zehn Prozent des heutigen Eisvolumens besitzen werden. Dadurch werden auch die Flüsse weniger Wasser führen – mit Auswirkungen auf den Schiffsverkehr, die Flusskraftwerke, die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung. Um dem entgegenzuwirken, wird mancherorts mechanisch nachgeholfen. So werden zum Beispiel in Österreich Teile der Gletscher während des Sommers mit Vlies abgedeckt.

Schon heute könne das Schmelzwasser lange Trockenzeiten und hohe Verdunstungsraten jedoch nicht mehr ausgleichen, sagen Hydrologen. Dafür seien die Alpengletscher bereits zu klein. In den Hochgebirgen bleiben die Niederschlagsmengen zwar weiterhin relativ hoch. Doch wenn im Flachland bei hohen Temperaturen und wenig Regen auch noch das Schmelzwasser aus den Bergen ausbleibt, fehlt hier schlicht das Wasser.

Früher war der Zugspitzgipfel ganzjährig mit Schnee und Eis bedeckt. Damit ist es vorbei. Seit dem Jahr 2022 gibt es den Südlichen Schneeferner nicht mehr.
Foto: Mariana - stock.adobe.com

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