Grundwasserneubildung gerät ins Stocken

Wir stecken mitten im tiefsten Winter, zumindest kalendarisch. Die Baumgerippe im Wald sind blattlos, die Felder kahl und braun oder mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und wer jetzt seinem Garten einen Besuch abstattet, trägt am besten Gummistiefel. Nichts wächst, nichts verdunstet und allerorten sumpft und matscht es – High Time für die Neubildung von Grundwasser, aus dem wir unser Trinkwasser gewinnen.

Grundwasser erneuert sich auf natürliche Weise, indem Regenwasser durch die Klüfte und Poren des Bodens bis in tiefe, grundwasserführende Schichten vordringt. Das funktioniert besonders dann, wenn das Wasser im Boden nicht gleichzeitig von durstigen Pflanzen beansprucht oder von starker Sonneneinstrahlung und Wind verdunstet wird – im Winterhalbjahr also.

Inzwischen ist der Boden im Land bis in 25 cm Tiefe allerorts gut durchfeuchtet. Für die beginnende Wachstumsperiode im Frühjahr steht den Pflanzen also ausreichend Wasser zur Verfügung. Doch ein Blick auf die Daten des Dürremonitors, den das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung betreibt, zeigt, dass die Bodenfeuchte viel tiefer nicht reicht.  Von der Mitte bis in den Norden Deutschlands variieren auf der Karte des Dürremonitors die Rottöne – Zeichen für moderate bis außergewöhnlich schwere Dürre in den Bodenschichten bis 1,80 Meter Tiefe. Eine Grundwasserneubildung wird hier in diesem Winter nicht mehr stattfinden. Denn bevor das Wasser in die grundwasserführenden Schichten gelangen kann, müsste es zunächst einmal den Boden bis in eine Tiefe von 1,80 Meter durchnässen. Aussichtslos.

Andreas Marx, wissenschaftlicher Koordinator des Dürremonitors, erklärt in einem Beitrag des Deutschlandfunks: „Einzelne Niederschlagsereignisse, gerade auch starke Niederschlagsereignisse, helfen in Dürreperioden wenig oder gar nicht. Und auch ein oder zwei Wochen mit überdurchschnittlichem Niederschlag helfen dem Grundwasser nicht. Wir reden von vier bis sechs Monaten mit überdurchschnittlichem Niederschlag, die wir benötigen.“

Umdenken im Umgang mit Wasser

Und so werden auch in diesem Winter die Grundwasserpegel nicht wieder auf das Niveau ihrer langjährigen Jahresmittelwerte steigen. Inzwischen fehlen durch die vergangenen Trockenjahre viele Millionen Kubikmeter Wasser in Deutschland, wie eine Auswertung von Daten der Satellitenmission „GRACE“ zeigt.

Wird also unsere wichtigste Trinkwasserressource knapp? Nicht unbedingt – sofern wir handeln. Denn auch in Zukunft wird ausreichend Niederschlag fallen, wenngleich auch nicht mehr im gewohnten Verteilungsmuster. Es gilt, den Niederschlag dann in der Fläche zu halten. Dazu braucht es eine Abkehr von der bisherigen Praxis, Wasser schnell abzuleiten. Erste Maßnahmen werden bereits umgesetzt, Schwammstadt, Renaturierung und Wiedervernässung sind die Schlagwörter, hinter denen sich solche Projekte verbergen.

Und auch in der Wasserversorgung hat das Umdenken längst begonnen. Denn während die Ressourcen nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung stehen, wird der Bedarf an Wasser steigen. Deshalb wird die Infrastruktur angepasst, beispielweise durch die Sanierung und den Ausbau von Speichern und Leitungen und die Vernetzung zu größeren Verbünden. Es gilt, in Spitzenzeiten mit großen Abnahmemengen ausreichend Wasser bereitstellen zu können.

GRACE und GRACE-FO

Die Satellitenmission GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment) begann 2002, um das Schwerefeld der Erde zu erforschen und daraus unter anderem Schlüsse über die Verteilung von Wasser auf und vor allem unterhalb der Erdoberfläche zu ziehen.

Die GRACE Satelliten umkreisten die Erde bis zum Jahr 2017, im Jahr 2018 startete die Folgemission GRACE-FO (Follow On).

Die Missionen sind ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ)  und der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA.

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