Hartes Wasser führt nicht zu Arterienverkalkung

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube und wird immer wieder als Grund benannt, auf den Genuss von Trinkwasser aus der Leitung zu verzichten – doch die Verkalkung der Herzkranzgefäße, medizinisch auch Arteriosklerose genannt, steht in keinem Zusammenhang mit dem Konsum von hartem Trinkwasser.

Die Wasserhärte ist eine natürliche Größe. Sie ist von Ort zu Ort verschieden. In Gebieten mit einem besonders hohen Mineralienanteil im Wasser stellen Verbraucher häufig die „Verkalkung“ ihrer Haushaltsgeräte fest.

Diese feste, weiße Schicht an Wasserhähnen und in Wasserkochern bildet sich, wenn eine bestimmte Temperatur überschritten wird. Denn normalerweise liegen die Mineralien im Wasser in gelöster Form vor. Erst ab einer Temperatur von mehr als 60 Grad Celsius fällt der Kalk aus und kann sich absetzen.

Die gelösten Mineralien dagegen sind für den Körper sogar wertvoll, denn er benötigt diese Stoffe für seine Stoffwechselprozesse. Das Calcium beispielsweise für den Knochenaufbau wichtig ist, lernen schon kleine Kinder.

Wasserhärte

Ein Wasser gilt als hart, wenn der Anteil bestimmter Mineralien wie Calcium und Magnesium einen Gehalt von  2,5 mmol pro Liter Wasser übersteigt. Das ist bei einem großen Teil des in Deutschland verfügbaren Trinkwassers der Fall, denn die Mineralien wurden auf dem Weg in den Untergrund aus Gesteinen gelöst und sind Bestandteil jedes Grundwassers.

Arteriosklerose hat andere Ursachen

Wer an Arterienverkalkung leidet, hat keine harte, weiße Schicht in seinen Blutgefäßen kleben. Eine Arteriosklerose bildet sich schleichend und über Jahre hinweg. Dabei lagern sich kleinste Blutbestandteile, Blutfette, Bindegewebe und Kalziumreste in die Gefäßwände der Arterien ein. Dadurch kommt es zu Entzündungen und einer schleichenden Verengung und Verhärtung betroffener Gefäße. Das Blut kann nicht mehr wie gewohnt zirkulieren, was wiederum zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führt. Arteriosklerose ist die häufigste Ursache für diese oft tödlichen Krankheiten.

Viele Studien haben untersucht, was der Grund für die Einlagerungen in den Gefäßen ist. Auch wenn Arteriosklerose noch nicht komplett verstanden ist, gelten die genetische Veranlagung sowie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und hohe Cholesterinwerte als Initiatoren für die Gefäßablagerungen. Als Risikofaktoren wurden in diesem Zusammenhang auch ungesunde Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel identifiziert.

Experte gibt Entwarnung

Die Aufnahme von Mineralien aus dem Trinkwasser gehört jedoch nicht dazu. Professor Dr. med. Hans Hauner vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung e.V. sagt dazu: „Die Frage, ob ein hoher Gehalt an Kalk im Trinkwasser mit der Verkalkung der Herzkranzgefäße in Verbindung steht, lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Kalk über das Trinkwasser und dem Verkalken der Herzkranzgefäße.“

Mehr Wissenswertes zum Thema Trinkwasser
Winter - High Time für die Neubildung von Grundwasser, aus dem wir unser Trinkwasser gewinnen. Doch mancherorts bleibt die Grundwasserneubildung aus. Umdenken im Umgang mit Wasser ist gefragt.
Wasser wirkt - von innen wie von außen. Es hilft uns zu entspannen. Allein schon beim Blick aufs Wasser, aufs Meer oder auf einen See, fühlen wir uns automatisch ein bisschen besser. Dass dies nicht nur eine subjektive Wahrnehmung ist, haben Wissenschaftler bestätigt.
Überall in Deutschland können wir Trinkwasser aus der Leitung genussvoll und bedenkenlos trinken. Aber je nachdem, ob wir in den Alpen oder an der Nordsee leben, in Köln oder in Dresden, schmeckt das Wasser anders. Woran das liegt?