Robert Koch: Verunreinigtes Wasser als Überträger der Cholera

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist der Name Robert Koch in aller Munde, erfasst das Robert-Koch-Institut doch kontinuierlich die aktuelle Covid 19-Lage und bewertet die Informationen. Aber wer ist eigentlich der Namensgeber des Berliner Instituts und was hat er mit Trinkwasser zu tun? Der als Entdecker des Tuberkulose-Erregers zu Weltruhm gelangte Arzt und Wissenschaftler hat Ende des 19. Jahrhunderts den Zusammenhang zwischen verunreinigtem Wasser und der Übertragung von Cholera nachgewiesen.

Tuberkulose, Cholera, Diphtherie, Wundinfektionen. Was heute dank moderner Medizin längst behandelbar ist, brachte im 19. Jahrhundert zumeist den sicheren Tod. Infektionskrankheiten waren die Haupttodesursache weltweit, allein in Deutschland starben jedes Jahr hunderttausende Menschen. Doch über die Übertragung der Krankheiten wusste man nichts. Die meisten Menschen glaubten, dass Ausdünstungen in der Luft oder Geister dafür verantwortlich seien. Und sie nichts dagegen tun könnten.

Im Gegensatz zur Medizin. Bereits im 17. Jahrhundert war die Existenz von Bakterien nachgewiesen worden, doch erst 200 Jahre später, 1876, entdeckte der junge Arzt Robert Koch, dass Milzbrand von einem einzigen Erreger ausgelöst wird. Erstmals wurde damit weltweit belegt, dass ein Mikroorganismus die Ursache für eine Infektionskrankheit sein kann – eine bahnbrechende Erkenntnis. Robert Koch und seinen Mitstreitern in Berlin war es gelungen, Infektionserreger und Ansteckungswege gezielt zu identifizieren und so Therapien und Gegenmaßnahmen zu ermöglichen.

Weltruhm errang Koch 1882 mit der Entdeckung des Tuberkulose-Erregers, für die er 1905 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Tuberkulose war zu der Zeit eine Volkskrankheit, jeder Siebte im Deutschen Reich starb an der „Weißen Pest“. Bereits im Folgejahr reiste er nach Indien, wo er nach einem Choleraausbruch das Bakterium Vibrio cholerae als Auslöser identifizierte.

Cholera in Hamburg

Zum Seuchenexperten avanciert, wurde Robert Koch als Ratgeber nach Hamburg gerufen, als im außergewöhnlich heißen Sommer 1892 eine Choleraepidemie in der Hansestadt ausgebrochen war. Knapp 17.000 Menschen erkrankten, über 8.600 starben zwischen August und Oktober 1892 an der Krankheit.

Als Robert Koch in die Stadt an der Elbe kam, war er über die Wohnsituation vieler Menschen entsetzt. Viele der damals rund 600.000 Einwohner lebten in feuchten Kellerwohnungen, auf engstem Raum und mit äußerst mangelhaften sanitären Einrichtungen. Für die Versorgung der Arbeiterviertel wurde zudem das Wasser direkt der Elbe entnommen und lediglich geklärt, nicht aber gefiltert. Aus Kostengründen. Anders war es im benachbarten Altona, wo es bereits eine Filtrationsanlage gab und nur wenige Cholera-Opfer zu beklagen waren. Dass verschmutztes Wasser Treiber der Epidemie war, lag für Robert Koch deshalb schnell auf der Hand.

Trinkwasserversorgung erneuert

Die von ihm umgehend empfohlenen kurzfristigen Maßnahmen, darunter der ausschließliche Genuss und Gebrauch von abgekochtem Wasser, zeigten schnell Wirkung.

Langfristig hatte die Cholera-Epidemie weitreichende Folgen für das gesamte Stadtbild Hamburgs. Um die Wiederholung eines solchen Krankheitsausbruchs zu verhindern, verschwanden ganze Stadtviertel oder wurden saniert, sodass sich die hygienischen Verhältnisse in den Wohnungen der Bewohner entscheidend verbesserten. Vor allem aber wurde – neben einer Trennung von Wasserversorgung und Abwasserkanalisation –  die Trinkwasserversorgung erneuert: Ab 1893 wurde das Elbwasser in der neuen Filtrieranlage Kaltehofe aufbereitet, bevor es in die Haushalte gelangte, und einige Jahre später das Grundwasserwerk Billbrook errichtet. Damit stand allen Hamburgern fortan gefiltertes, gereinigtes Wasser zur Verfügung.

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