Rudolf Virchow und die Wasserversorgung

Virchow-Sammlung, Virchow-Apotheke, Virchow-Klinikum – der Name Rudolf Virchow ist untrennbar mit der Medizin verbunden und nicht nur Zuschauer der Fernsehserie „Charité“ wissen um seine Verdienste als Arzt und Leiter des renommierten Berliner Klinikums. Weniger bekannt ist, dass Virchow auch für die Wasserversorgung Großes geleistet hat. Er trug maßgeblich dazu bei, dass die Stadt Berlin eine Kanalisation und zentrale Abwasserentsorgung bekam. Damit avancierte sie seinerzeit zum Vorzeige-Modell für eine fortschrittliche Stadthygiene.

Rudolf Ludwig Karl Virchow wurde vor 200 Jahren am 13. Oktober 1821 geboren. 1839 begann er ein Medizinstudium an der Ärztlichen Militärakademie Berlin. Nach seiner Promotion erhielt er eine Stelle an der Charité, wo er sich bald mit wegweisenden Forschungen einen Namen machte.

Bei Untersuchungen zu einer Fleckfieber-Epidemie beschrieb Virchow zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen Krankheitsausbrüchen und den furchtbaren Lebensbedingungen vieler Menschen. Er sah die Ursache der Epidemie in verkeimtem Trinkwasser, gepaart mit Armut, Hunger und schlechten sozialen Bedingungen. Verantwortlich in den Augen von Virchow war die Politik der preußischen Regierung. Nur Wohlstand, Freiheit und Bildung würden zu einer besseren Gesundheit der Bevölkerung führen, so dachte er. Um ein öffentliches Gesundheitssystem und den Bau von Krankenhäusern zu voranzutreiben, betätigte er sich fortan auch politisch.

Plan für eine zentrale Abwasserableitung

1859 wurde Virchow Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Hier übernahm er 1867 den Vorsitz einer Kommission, die einen Plan zur Abwasserableitung in Berlin erarbeitete. Die hygienischen Zustände in der Stadt, die fast eine Million Einwohner zählte, waren damals untragbar. Auf den Straßen stank es zum Himmel, Abwässer und Fäkalien wurden über Rinnsteine – befestigte Gräben am Straßenrand – in die Spree entsorgt. Durch Versickerung gelangten zudem viele Schadstoffe direkt ins Grundwasser.

Doch der Kommissionsvorschlag, eine zentrale, unterirdische Abwasserableitung zu installieren und die Abwässer vor den Toren der Stadt auf großen Flächen zu verrieseln und damit zu reinigen, kam nicht gut an. Die Berliner liefen Sturm gegen dieses Vorhaben. Immerhin verschlang es ein Drittel der städtischen Steuereinnahmen – und das über mehrere Jahre hinweg.

Sauberes Trinkwasser Voraussetzung für Gesundheit

Es war maßgeblich Virchows Verdienst, dass dieses Mammutprojekt dennoch umgesetzt wurde. Er konnte eine Mehrheit im Stadtrat davon überzeugen, dass nur ein geschlossener Abtransport der Abwässer und Fäkalien die Trinkwasserqualität wieder herstellt und damit Cholera und Typhus, die in großen Städten verheerend wüteten, eingedämmt werden können.

Im Januar 1878 ging schließlich ein erstes Teilsystem der Kanalisation in Betrieb. 1890 war der Bau des Berliner Abwassersystems weitestgehend abgeschlossen. Die Straßen und Höfe wurden sauberer, die hygienischen Bedingungen verbesserten sich und über die zentrale Wasserversorgung der Stadt kam wieder sauberes Trinkwasser bei den Bürgern an. Die Sterberate ging rapide zurück. Berlin wurde zu einem lebenswerten Ort für seine Bewohner und zum Vorbild für viele andere Metropolen der Welt.

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