Verunreinigtes Wasser ist häufigste Ursache für Reisekrankheiten

Was für uns in Deutschland selbstverständlich ist, gibt es in vielen Ländern auf der Welt noch lange nicht: frisches, sauberes Trinkwasser, überall verfügbar und bedenkenlos zu konsumieren. Dieses Privileg weiß man spätestens dann zu schätzen, wenn man auf Reisen ist. Denn verunreinigtes Trinkwasser ist die häufigste Ursache für Reisekrankheiten.

Ende Juni geht sie wieder los – die große Reisezeit, wenn in den ersten Bundesländern die Sommerferien beginnen. Manche zieht es in nahe Gefilde, andere in weit entfernte Länder. Und überall nutzen wir Wasser aus der Leitung – ob ein kleiner Schluck als Durstlöscher, beim Zähneputzen und Duschen, zum Abwaschen oder Kochen von Lebensmitteln.

Aber nicht überall ist die Qualität des Leitungswassers so gut wie in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern. In Südeuropa ist es vor allem in den Sommermonaten oft so stark gechlort, dass man es schon allein wegen des Geruchs nicht trinken mag. Auf dem asiatischen oder afrikanischen Kontinent dagegen ist Leitungswasser oft so belastet, dass sein Konsum Folgen für unsere Gesundheit haben kann. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken rund 80 Prozent der Reisenden durch verunreinigtes Wasser oder verunreinigte Speisen an Reisedurchfall – und damit an der mit Abstand häufigsten Reisekrankheit.

Kochen, schälen oder bleiben lassen

Um das Risiko einer Erkrankung zu vermeiden, sollte man daher nicht nur bei Speisen den Leitsatz „Cook it, peel it or forget it“ („Koch es, schäl es oder vergiss es“) beherzigen, sondern auch auf alles achten, was mit Leitungswasser in Berührung kommt. Denn in vielen Ländern wird dieses nicht oder nur unzureichend aufbereitet. Das Wasser kann aus mit Fäkalien kontaminierten Quellen oder Brunnen stammen, wird in unsauberen Behältern transportiert oder fließt durch marode Leitungssysteme, in die überall Keime eindringen können.

Bakterien und Viren wie zum Beispiel Escherichia coli, Salmonellen oder das Norovirus gelangen so über kontaminiertes Wasser in den Körper. Die wohl am meisten gefürchtete Erkrankung, die auf diese Weise übertragen wird, ist die bakteriell ausgelöste Cholera. In der Vergangenheit hat sie Pandemien verursacht, die Millionen Menschen das Leben kosteten. Heute tritt sie meist dort auf, wo Trink- und Abwassersysteme nur unzureichend getrennt sind, in armen Regionen und in Krisengebieten. Ebenfalls durch kontaminiertes Wasser werden Typhus und Paratyphus übertragen.

Aber nicht nur durch Bakterien oder Viren können wir auf Reisen erkranken. Auch Schadstoffe wie Pestizide oder Chemikalien sind für gesundheitsgefährdendes Trinkwasser verantwortlich.

Einfache Regeln helfen, gesund zu bleiben

Mit dem Befolgen dieser einfachen Tipps kann man sich jedoch vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen schützen:

  • Trinken Sie Wasser nur aus frisch geöffneten Flaschen oder Tee bzw. Kaffee. Bei direktem Konsum aus der Flasche oder Dose sollte der mit dem Mund in Kontakt kommende Bereich gereinigt und getrocknet werden.
  • Sollten keine derartigen Getränke verfügbar sein, kann Leitungswasser aufbereitet und trinkfähig gemacht werden. Sie können es dazu mit speziellen Filtern klären, abkochen oder mit Jod- oder Chlortabletten versetzen.
  • Verzichten Sie auf den Verzehr von Eiswürfeln, es sei denn, sie sind aus aufbereitetem Wasser hergestellt.
  • Verwenden Sie zum Zähneputzen nur aufbereitetes Wasser, z.B. aus der Flasche.
  • Verzichten Sie auf Obst und Gemüse, das nicht geschält oder gekocht ist bzw. nicht mit aufbereitetem Wasser gewaschen wurde.
  • Kühlpflichtige Produkte wie z.B. Milch, Milchprodukte, vorgepresste Säfte oder Salate meiden.

Falls Sie Montezumas Rache doch erwischt haben sollte, ist es wichtig, den Verlust von Flüssigkeit und Salzen auszugleichen, um einer Dehydrierung vorzubeugen. Laut WHO eignet sich hierfür am besten eine Lösung aus Zucker und Elektrolyten in sauberem Trinkwasser aus der Flasche.

© Sebastian Siebert – stock.abobe.com

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