„Viel trinken hilft gegen Hungergefühl“

Fasten hat eine jahrtausendealte Tradition und soll der Reinigung von Körper, Geist und Seele dienen. Eine der bekanntesten Methoden ist das klassische Heilfasten nach Buchinger, das auf den deutschen Arzt Otto Buchinger (1878-1966) zurückgeht. Für den Allgemeinmediziner und Naturheilkundler Dr. Matthias Menschel ist Heilfasten „der Königsweg der Naturheilkunde und der Diätetik“. Wir befragten den Leiter der medizinischen Abteilung in Menschels Vitalresort, Bad Sobernheim, nach seinen therapeutischen Erfahrungen und der Bedeutung von Trinkwasser während einer Fastenkur.

Welche Vorteile hat das Fasten bzw. Heilfasten nach Buchinger?

Das Fasten bzw. Heilfasten nach Buchinger wirkt entzündungshemmend, blutdruck- und blutzuckersenkend, schmerzlindernd und motiviert zur Optimierung des Lebensstils in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Genussmittelkonsum und Zeitmanagement. Viele lebensstilbedingte Beschwerden und Erkrankungen wie Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie oder Fettstoffwechselstörungen können damit gelindert werden. Heilfasten hilft auch als Einstieg in eine dauerhafte Ernährungsumstellung, mit dem Ziel, bei bestehendem Übergewicht/Adipositas eine dauerhafte Gewichtsreduktion zu erreichen.

Wichtig ist es, während des Heilfastens viel zu trinken, wie beispielsweise Tee und Leitungswasser, um die Flüssigkeit zu ersetzen, die ansonsten über die Nahrung aufgenommen wird. Viel Flüssigkeit wird auch benötigt, um harnpflichtige Stoffe schnell auszuscheiden.

Dr. Matthias Menschel

Wem empfehlen Sie diese Fastenform?

Es gibt nur wenige Gegenindikationen zum Fasten, zum Beispiel vor Abschluss des Längenwachstums, bei Schwangeren, schweren Grunderkrankungen oder akuten psychiatrischen Erkrankungen. Wichtig ist die innere Bereitschaft zum Fasten, die Motivation und Eigeninitiative. Wir empfehlen das Heilfasten bei entsprechender therapeutischer Indikation wie beispielsweise metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Arthrose oder chronische Entzündungen, aber natürlich auch als Prävention.

Gibt es einen Unterschied zwischen Fasten für Gesunde und Fasten als Therapie?

Das Fasten für Gesunde kann zu Hause in einer ambulanten Fastengruppe oder selbstständig umgesetzt werden. Es ist ein Gesundheitstraining und eine Auszeit vom Alltag und bietet die Möglichkeit für den Blick nach innen, um die eigenen Lebensgewohnheiten zu hinterfragen.
Das Heilfasten als Therapie wird stationär in einem Fastenhaus, Fastenhotel oder in einer Fastenklinik unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Beim Heilfasten werden neben dem diätetischen Anteil auch Anwendungen angeboten  wie Darmpflege, Massagen und Physiotherapie, Bewegungs- und Entspannungsübungen in der Gruppe, ärztliche Gespräche und gegebenenfalls auch ärztliche Therapien. Es ist ein ganzheitliches Konzept mit einem therapeutischen Ansatz, das heißt,  um bestehende Beschwerden und Erkrankungen zu lindern oder im Idealfall zur Abheilung zu bringen.

Welche Rolle spielt das Thema Trinken beim Heilfasten? Welche Flüssigkeiten sollte man bevorzugt zu sich nehmen?

Wir empfehlen täglich drei Liter stilles Wasser, zum Beispiel Leitungswasser, und Kräutertees. Das sollte man möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt trinken, bei starkem Schwitzen während der Bewegung oder nach Saunabesuchen auch mehr, etwa 3,5 bis 4 Liter. Denn Trinken fördert die Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe über unsere Nieren. Zusätzlich hilft viel trinken auch bei Hungergefühl und Kreislaufproblemen, die gelegentlich beim Fasten auftreten können.

Wie läuft ein Fastenkurs ab?

Fasten gliedert sich in drei Abschnitte: die Entlastungstage vor dem Fasten (kalorienreduziert, vegetarisch, bereits Reduktion bzw. Verzicht auf Genussmittel), dann das eigentliche Fasten mit der initialen Darmentleerung mit Glaubersalz oder einem alternativen abführenden Mittel und schließlich die Zufuhr von 250 kcal/Tag mit frischgepressten Obstsäften, Gemüsebrühen, Gemüsesäften und etwas Honig statt fester Nahrung und Genussmittel. Der letzte Tag des Fastens ist das Fastenbrechen, traditionell mit einem rohen oder gedünsteten Apfel. Danach schließen sich die Aufbautage an, die etwa ein Drittel der Fastentage ausmachen.

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