Hamburg duscht zum Beat

„Wertvoll – unser Trinkwasser“, „Jede:r ein bisschen, zusammen ganz viel. Mach mit!“, „#jedertropfenzählt“.  So verschieden die Mottos, so identisch ihre Intention: Mit unterschiedlichen Kampagnen fordern Städte und Gemeinden in Deutschland ihre Mitbürger*innen dazu auf, angesichts sinkender Grundwasserpegel und zunehmender Trockenperioden, Trinkwasser zu sparen. Dabei geht es nicht um Verbote, sondern um Aufklärung und praktische Tipps. Oft verbunden mit einem Augenzwinkern.

Playlist fürs richtige Duschen

Der größte Wasserschlucker im Badezimmer? Ganz klar – die Dusche. Über ein Drittel unseres Trinkwassers fließt täglich durch den Brausekopf. Deshalb haben Hamburg Wasser und die Hamburger Umweltbehörde eine Dusch-Playlist zusammengestellt, die gute Laune macht und die Duschzeit reduziert. „Wenn man nur so lange duscht, wie einer dieser Titel läuft, dann hat man schon viel gespart“, sagt der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan. Maximal fünf Minuten dauert jeder Titel, ob „Oh Jonny“ von Jan Delay oder „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros. 

Die Playlist ist Teil der im Juni dieses Jahres unter dem Motto „Wertvoll – unser Trinkwasser“ gestarteten Kampagne. Darüber hinaus umfasst diese Plakate und Postkarten, die zum Beispiel zum Nutzen von Regenwasser fürs Pflanzengießen („Komm, lass uns Regentropfen sammeln“) oder Waschen nur voller Waschmaschinen („Wir machen keine halben Sachen“) anregen.

Vorbild für die Hamburger Duschsongs war übrigens die südafrikanische Küstenmetropole Kapstadt. Dort hatten 2018 zehn südafrikanische Bands ihre bekanntesten Songs auf „2-Minuten Duschsongs“ runtergekürzt, um zum Wassersparen beim Duschen zu motivieren. Kapstadt ging damals nach extremer Dürre das Wasser aus. Durch verschiedene Maßnahmen wie Wassersparkampagnen, Wasserspenden einer Nachbarregion und Investitionen in Meerwasserentsalzungsanlagen konnte der drohende „Day Zero“, also der Tag, an dem privaten Haushalten der Wasserhahn abgedreht wird, abgewendet werden.

Frankfurt gibt Tipps für den Alltag

Die Stadt Frankfurt setzt beim Thema Wassersparen auf Gemeinsinn. Unter dem Motto „Jede:r ein bisschen, zusammen ganz viel. Mach mit!“ gibt die Stadt auf ihrer Website Tipps zum Wassersparen im Alltag, also im Haushalt, Garten und im Hygienebereich. Damit könne jede*r einen kleinen Beitrag leisten, um zusammen viel zu erreichen. So sollte man aufs Spülen unter fließendem Wasser verzichten und Wasser im Haushalt mehrfach verwenden, Regenwasser für den Garten nutzen und ihn seltener mähen, wassersparende Duschköpfe verwenden und auf eine sparsame Toilettenspülung achten.

Auch auf Plakaten an Litfaßsäulen in der Stadt und mit Postkarten wird auf die Kampagne hingewiesen, die erstmals 2022 umgesetzt wurde. In diesem Jahr beteiligen sich zum ersten Mal auch die städtischen Friedhöfe mit insgesamt 240 Hektar Fläche an der Initiative, indem zum Beispiel auf das Wässern von Rasenflächen und Sträuchern verzichtet wird.

Kleinvieh macht auch Mist

Wie erfolgreich es sein kann, die Menschen zu kleinen, aber bedeutenden Verände­rungen zu bewegen, zeigt eine Reihe von Gemeinden auf der ganzen Welt. In der indischen Stadt Mumbai beispielsweise begannen Restaurants, halbe Wasser­gläser zu servieren, nachdem sie festgestellt hatten, dass die Gäste nur ein paar Schlucke nahmen und den Rest stehenließen. Und in Kalifornien dürfen Restaurants erst Wasser servieren, wenn die Gäste ausdrücklich darum bitten. Damit kein Wasser ungetrunken stehen bleibt.

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